Hitzekollaps im Stadtparlament

Die Hitzewellen werden immer heftiger. In der Lahn war es noch erträglich. Foto: Michael Kopatz
Die Hitzewellen werden immer heftiger. In der Lahn war es noch erträglich. Foto: Michael Kopatz

Am Freitag war die Versammlung der Stadtverordneten in Marburg. Schon seit Tagen war klar: Das wird eine heiße Veranstaltung, sprichwörtlich, die Wettervorhersage hat mindestens 37 Grad angekündigt. Der Sitzungssaal ist nicht klimatisiert. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass kommunale Politiker:innen leidenschaftlich debattieren. Ich habe davor großen Respekt, schließlich investieren sie ihre Freizeit in Debatten über die zukünftige Entwicklung ihrer Gemeinde.

Und da davon auszugehen war, dass die Kommunalpolitiker:innen sich nicht kürzer fassen würden, wegen der Hitze, hat das Technische Hilfswerk schon mal einige Klimaanlagen angestellt, sogar einige Tage vorher. Das hat aber kaum etwas gewirkt, als erstmal 100 Personen im Raum waren. Die Luft war superwarm und zum Zerschneiden. Noch am Tag zuvor, hat der Ältestenrat eine Tagesordnung beschlossen, die locker fünf Stunden in Anspruch genommen hätte – trotz der angekündigten Hitze.

Am Tag der Sitzung war noch keine Stunde vergangen, als klar wurde: Das Programm lässt sich so nicht durchziehen. Die Protokollant:innen der Verwaltung haben angekündigt, dass sie sich bei 33 Grad zurückziehen werden. Damit wäre die Sitzung beendet. Daraufhin traf sich erneut der Ältestenrat. Wie soll es weitergehen, welche Punkte sollen diskutiert werden?

Schon während dieser Beratung sind zwei Stadtverordnete kollabiert, Notärzt:innen kamen zum Einsatz. Dann ging es schnell mit der Sitzung. Einige Punkte der Tagesordnung wurden auf die nächste Sitzung verschoben und viele andere ohne Aussprache beschlossen. Das ist kein Problem, weil in fast allen Fällen vorher feststeht, wie die Fraktion entscheiden wird. Ich sage ja, es gibt eine gewisse Leidenschaft am Debattieren.

Es gab also keine Aussprachen und die Veranstaltung fand schnell ihr Ende. Das war ein historisches Ereignis. Die lokale Politik konnte während ihrer Sitzung nachspüren, wie sich die globale Erhitzung anfühlt. Und das ist nur der Anfang. Ich hoffe, dass dieses Ereignis die Entscheidungsträger:innen nachdenklich macht. Bei uns stehen diverse Entscheidungen für den Klimaschutz an. Es wäre zukunftsvergessen, einfach nur neue Klimaanlagen zu fordern.