Gerade lese ich das Buch »Am Kipppunkt« von Toralf Staud und Benjamin von Brackel. Es ist nicht nur eine Darstellung der wissenschaftlichen Diskussion, sondern geradezu mitreißend geschrieben.
Man kann sich richtig reinfühlen in die Situation der Forscherinnen und Forscher. Ich habe viel gelernt. Mir war z.B. nicht richtig klar, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels um einige
Meter quasi nicht mehr verhindern lässt, selbst wenn wir jetzt ganz schnell das CO2 runterfahren würden, weltweit.
So. Und dann bin ich in den Herbstferien auf Sylt. In Rantum fielen mir die vielen Häuser mit einem Schild »zu verkaufen« auf. Und ich habe mich gefragt, ob das schon etwas mit dem vorhergesagten
Anstieg des Meeresspiegels zu tun hat.
Gerade sage ich noch: »Es würde mich nicht wundern, wenn irgendwann die Leute merken, dass dieser Teil von Sylt langfristig keine Zukunft hat.« Kaum ausgesprochen stehen wir schon wieder vor
einem Schild mit Verkaufsofferte. Reagieren schon die ersten Eigentümer der Insel auf den Klimawandel? Es kann durchaus sein, dass man in zehn Jahren nur noch halb so viel bekommt, wenn
überhaupt.
Rantum ist besonders gefährdet, weil dort die Insel am schmalsten ist. Noch schützt der Küstenschutz die Siedlung effektiv, aber dieser Aufwand wird immer größer werden. Der Meeresspiegelanstieg
wird dort real spürbar werden und das Bewusstsein dafür wird zunehmend den Immobilienmarkt beeinflussen.
Neben dem physischen Risiko, also durch den steigenden Meeresspiegel, Sturmfluten, Küstenerosion werden die Versicherungs- und Finanzierungskosten steigen. In vielen Ländern, auch in Deutschland,
steigen Prämien oder es gibt Ausschlüsse für Hochwasser-Sturmschäden. Es könnte auch sein, dass dem Staat irgendwann der Küstenschutz an dieser Stelle zu teuer wird. Hinzu kommt der
psychologische Effekt, die Stimmung der Investoren kann sprunghaft kippen. Am Ende bleibt nur, die Ferienhäuser solange zu vermieten, bis sie absaufen.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich diese Faktoren schon jetzt bemerkbar machen. Wer kauft ein Haus für drei oder fünf Millionen Euro in dem Wissen, dass es vielleicht in 30 oder 50
Jahren regelmäßig unter Wasser steht? Für so eine Investition will man natürlich eine langfristige Perspektive über viele Generationen hinweg. Es sind schließlich Grundstücke, die
erworben werden, deren Wert in der Regel beständig steigt.
Der Fachbegriff dafür nennt sich Stranded Assets. Das sind Investitionen, die in den Sand gesetzt werden, verbranntes Geld.
Beruhigend daran ist, dass es in der Regel keinen Armen trifft.