Atomkraft. Nein Danke?!

Es gibt viele Bedenken in Hinblick auf die Sicherheit der Atomkraft und die Probleme beim Rückbau und der Endlagerung. Doch was ganz entscheidend gegen Strom aus Atomreaktoren spricht: Er ist viel zu teuer. Die Grafik veranschaulicht: Atomstrom ist nicht günstig; Wind- und Solarstrom hingegen schon. Die Diskussion über eine Renaissance der Atomkraft hat sich damit erledigt. Wer sich mit diesem Wort zur Ökoroutine zufrieden gibt, kann jetzt abschalten.

Nun zur Begründung meiner These. Denn, ganz so einfach kann es ja wohl nicht sein, oder? Sonst gäbe es ja keine Diskussion über neue Reaktormodelle usw.

Jahrzehntelang währte in Deutschland der Kampf gegen die Risikotechnologie. Jetzt sagen einige: Okay, das mag ja sein, aber die Konsequenzen der globalen Erwärmung sind wesentlich bedrohlicher. Wir benötigen Atomkraftwerke für den Klimaschutz; mehr noch, wir müssen viele neue Kraftwerke bauen, um ausreichend CO2 freien Strom erzeugen zu können.

Weltweit befinden sich laut World Nuklear Industrie Status Report 415 Reaktoren in 33 Staaten am Netz, 26 stehen längerfristig still. Die Zahl der Reaktoren hat seit Jahrzehnten nicht zugenommen, ist eher rückläufig. Einige kamen neu hinzu, einige wurden abgeschaltet.

Die Kosten für die zuletzt fertiggestellten Reaktoren sprengen den Rahmen, etwa in Finnland, wo die Ausgaben laut Medienberichten von den angesetzten drei Milliarden auf zehn Milliarden anstiegen.

Dennoch gibt es neue Projekte. In Hinkley Point, Großbritannien, sollen zwei Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 3,3 Gigawatt entstehen. Drei Jahre nach Baubeginn haben sich die Kosten bereits um zehn Milliarden Euro verteuert.  Von Beginn an schien klar, dass sich Strom auf diese Weise nicht günstig erzeugen lässt. Und deswegen hat man den beauftragten Unternehmen elf Cent als feste Vergütung je Kilowattstunde Strom versprochen. Dazu das Manager-Magazin: »Großbritanniens bizarre Atom-Pläne«.


Zum Vergleich, im Januar 2022 liegt die aktuelle Einspeisevergütung für größere Solaranlage bei 5,19 Cent pro Kilowattstunde. Für Windkraft im Meer gibt es teilweise gar keine Vergütung mehr.  Absurder geht es kaum und zeigt zugleich: Atomkraft ist nicht wirtschaftlich, schon gar nicht günstig.

Warum investieren die Engländer dann? Da geht es wohl eher um Prestige einer Atommacht. Und für den Bau von Atombomben braucht man nun mal Kraftwerke.

Sodann kann man sich fragen, welche Aussichten die neuen Reaktorkonzepte bieten. Wie man hört, investiert sogar der Philanthrop Bill Gates in sogenannte »Small Modular Reactors« (SMR).

Die Entwickler von Mini-Reaktoren erhoffen sich von einer Art Baukastensystem eine Kosten- und Zeitersparnis bei der Erstellung. Doch alle im Bau befindlichen SMR-Prototypen überschritten laut einer vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung beauftragten Studie die ursprünglich angesetzten Planungs- und Entwicklungszeiten bereits um ein Vielfaches, genauso wie die Kosten, die teilweise über denen von herkömmlichen Reaktoren liegen.

Hingegen boomt weltweit die Stromerzeugung durch Sonnen- und Windkraft. Auch in China. Dort decken die Erneuerbaren fast 30 Prozent des Strombedarfs, Kernkraft dagegen nur knapp fünf Prozent. Der staatliche Atomkonzern CGN hat jegliche Exportambitionen für die kommenden Jahre aufgegeben. Sie werden wissen warum.