Kartoffeln aus Zypern, voll öko?

Ich stehe vor dem Kartoffelhändler auf dem Markt, hätte gerne Allianz Kartoffeln. »Die gibt es nur noch aus Zypern« sagt der Händler. »Hm, dann nicht«, sage ich. Da lacht er mich aus, Gemüse würden die Leute ohne nachzudenken von der ganzen Welt kaufen. Aber bei Kartoffeln, da machten die Leute einen Unterschied. Ist doch gut, denke ich.

 

Ich antworte: »Nee, ich achte schon grundsätzlich darauf.« Und gerade bei Kartoffeln, finde ich, da kann man gut auf die regionale Herkunft achten.« Und tatsächlich hatte er auch schon Frühkartoffeln aus Deutschland im Angebot, aber halt eine andere Sorte.


Jedenfalls meinte der Händler, die Kartoffeln aus Zypern seien umweltfreundlicher als die aus Italien. Das hat mich verblüfft, »warum?« frage ich. »Aus Zypern werden die direkt verschifft und von Rotterdam in Europa verteilt. Kartoffeln aus Italien werden die ganze Strecke mit dem Lkw transportiert, das ist viel weniger umweltfreundlich.« Ohne das jetzt nachgerechnet zu haben, aber da habe ich meine Zweifel, wenn ich mal auf die Landkarte gucke.


Ich bin ziemlich sicher, dass der Mann sich auch nicht auf eine Studie berufen konnte. Er behauptet es einfach so, damit seine Kunden kein schlechtes Gewissen haben. Die erzählen die Geschichte dann weiter. Kartoffeln aus Zypern sind klimafreundlich.


Ohnehin achtet nur ein kleiner Teil der Kundschaft auf die Transportwege von Lebensmitteln. Und auch die werden durch solche Halbwahrheiten verunsichert. Irgendwie scheint alles relativ zu sein, man denke nur an den vermeintlich klimafreundlichen Apfel aus Neuseeland.


Die Umweltbildung der letzten 20 Jahre konnte nicht verhindern, dass Kartoffeln aus Ägypten oder Zypern heute selbstverständlich geworden sind. Umkehren könnte das eigentlich  nur noch die Europäische Union, etwa durch Importbeschränkungen oder einen Klimazoll. Die Bundesregierung könnte einen Beitrag leisten, indem sie die Lkw-Maut anhebt und das Straßenbauprogramm stoppt. Und schließlich könnten sich REWE, Edeka, Lidl und Aldi dazu selbstverpflichten, die Fernkartoffel nur noch in eingeschränktem Umfang zu vertreiben.